Schön ist es bei uns!
Bilder aus dem Fotowettbewerb

Beitrag von Lea Sandberg, Projektkoordinatorin

Seinen „Blick über die Stadt“ hat unsere Jury zum Gewinnerbild gekührt

Jörn Paessler

Fotografie und Videografie sind seine Leidenschaft. Und das sieht man seinen Bildern auch an. Der Erlanger Jörn Paessler fotografiert schon seit seiner Jugend. Damals nutzte er noch sein eigenes Fotolabor zum Entwickeln der Bilder. Es war immer eine Überraschung, ob ein Foto gelungen sei oder nicht. Das ist heute ganz anders, stellt der Endvierziger fest. Die digitale Fotografie habe viel verändert. Man könne ungemein qualitativ hochwertige Bilder erzeugen. Noch dazu sei das ehemals kostspielige Hobby durch die Digitalisierung wesentlich erschwinglicher geworden.

In Erlangen wohnt Herr Paessler schon seit seiner Kindheit. Seit einigen Jahren nun auch schon bei uns im Viertel. Hier gefällt es ihm gut. Er schätzt das große kulturelle Angebot und die Nähe zur Natur. Gerade während der Corona-Zeit fühlt er sich noch stärker Verbunden mit seiner Stadt, wie Jörn Paessler sagt. Mit bedauern und bedenken beobachtet er, dass immer mehr Traditionsgeschäfte in der Altstadt schließen. Der Leerstand sei schon schade. Ob eine stärkere Verkehrsberuhigung wohl helfen würde, fragt er sich.

Der Skulpturengarten – eine andere Galaxie

Gudrun Lorenz

Ich fühle mich wohl in der Altstadt, sagt Gudrun Lorenz von sich. Seit nun mehr 40 Jahren lebt die frisch gebackene Rentnerin in Erlangen. Der Liebe wegen sei sie hergezogen und in der liebgewonnen „kleinen Großstadt“ geblieben. Erlangen habe genau die richtige Größe. Man merkt, dass man in einer Stadt wohnt, aber es sei nicht so anonym. Nachbarschaftlich – im für sie richtigen Maße – sei es in ihrer Straße in der Altstadt. Als Frau Lorenz einen Fahrradunfall direkt vor ihrer Tür hat, kommt gleich ein junger studentischer Nachbar und eine weitere Bewohnerin aus dem Haus, um ihr zur Hilfe zu eilen. Ein gutes Gefühl. Man gibt aufeinander Acht. Beobachtet von den Nachbarn fühlt sie sich aber nicht. Da merkt man dann eben doch die Großstadt frei dem Motto „leben und leben lassen“.

Manches mal sei es aber auch schwierig. Gerade in ihrem direkten Umfeld, in dessen Nähe ein Studierendenwohnheim liegt, gebe es mitunter sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Klar wollen und brauchen die jungen Leute öffentliche Plätze, an denen sie sich treffen und gemeinsam grillen können. Für die direkte Nachbarschaft sei das nicht immer einfach. Eine vertrackte Situation. Verständnis hat Frau Lorenz für beide Seiten.

Die Naturnähe und den nahgelegenen Kirchnergarten am Burgberg genießt Frau Lorenz sehr. Wie faszinierend die Figuren und die Atmosphäre des Skulpturengartens Kirchner sind, hat sie eindrucksvoll in Bild und Text beschrieben. Mit ihrem Enkel auf Entdeckungstour wird der kurze Ausflug in die nahgelegene Parkanlage zu einer Reise auf einen anderen Planeten.

„Mein Ort ist wunderschön und geheimnisvoll   –   der Skulpturengarten in Erlangen. Ein Ort zum Aufatmen, in die Ferne schauen und den unverstellten Blick auf Erlangen zu genießen. Etwas wild und nur so gepflegt wie eben nötig. So dachte ich, eigentlich. Das änderte sich an dem Tag, als ich dort mit meinem Enkel Max einen Spaziergang unternahm, und den Garten mit den Augen eines 4jährigen betrachtete. Es könnte ja sein, dass die Skulpturen eigentlich Androide sind, so wie bei „Wall.E“, der den Planeten aufräumt, oder wie bei „Star Wars“. Bei Tag stehen die Roboter still rum und laden ihre Sonnenkollektoren auf. Wir Menschen üben das Aufräumen ja noch.“

Wieder angekommen auf dem Planeten Erde in 90154 Erlangen, gilt es erst einmal sich im Rentnerinnen Dasein einzurichten. Zu schauen, welche Dinge und Projekte auf Sie zukommen. Vielleicht ein Ehrenamt? Oder ein kleines Urban Gardening Projekt für Jung und Alt mit netten Leuten in der Nachbarschaft. Das wäre doch schön. Finden wir auch!

Auch im Winter schön: unsere Altstadt

Peter Baumann

Seit nunmehr fünf Jahren ist Dr. Peter Baumann Pfarrer an der Altstädter Dreifaltigkeitskirche. In direkter Nachbarschaft zu uns am Altstädter Kirchenplatz. Ein schöner Platz, wie er bemerkt. Wenn auch noch Luft nach oben sei. Etwas grüner und lebendiger könnte er sein. Bevor Peter Baumann nach Erlangen gekommen ist, war er 15 Jahre in einem Dorf in Mittelfranken tätig. Es sei aber keine große Umstellung gewesen, nun in der über 100.000 Einwohnerstadt Erlangen als Pfarrer zu wirken. Manche Aspekte der Altstädter Gemeinde haben doch auch einen fast dörflichen Charakter.

Schade sei es, dass in der Altstadt der Leerstand von Ladengeschäften zunehme und immer mehr Fachgeschäfte schließen. Ein trauriger Trend, der sich auch in anderen Städten beobachten ließe. Gerade die älteren Mitglieder seiner Gemeinde bedauerten dies. Aber nicht nur Fachgeschäfte, sondern auch Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf in unmittelbarer Nähe fehlen im Gemeindegebiet. Das mache es den Bewohner*innen im Viertel, die nicht so mobil sind, nicht leicht. Nicht nur aus diesem Grund hat die Gemeinde einen Martinsdienst neu etabliert. Einen Besuchs- und Unterstützungsdienst, der die älteren Gemeindemitglieder bei Einkäufen unterstützt oder einfach mal auf einen netten Plausch vorbeikommen kann. Das ist wichtig. Gerade in Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen sei das noch einmal bewusster geworden. Obwohl sich die digitalen Gottesdienste einer regen Beteiligung erfreut haben, ist der persönliche Kontakt wesentlich, so Pfarrer Baumann. Schön wäre es auch, wenn der Dialog zwischen jüngeren und älteren Bewohner*innen reger geführt würde. Das schärft den Blick füreinander und kann dem einen oder der anderen die Augen für die Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers öffnen.

In seinen Fotografien versteht es Peter Baumann den Platz und seine Kirche in Szene zu setzen. Da darf der Winter doch kommen, wenn er so stimmungsvoll anmutet!